Der Nil ist ein Strom in Afrika. Der Nil entspringt in den Bergen von Ruanda und Burundi und mündet ins Mittelmeer. Dazwischen berührt oder durchfließt er die Gebiete von sechs Staaten: Burundi, Ruanda, Tansania, Uganda, Sudan und Ägypten. Besonders für Ägypten hat der Nil überragende wirtschaftliche Bedeutung.
Der Nil hat eine Länge von 6.671 km und ist damit der längste oder zweitlängste Fluss der Erde, da die Länge des Amazonas - je nach Definition - zwischen 6.500 km und 7.000 km angegeben wird. Die ungenaue Angabe beruht darauf, dass der Quellfluss des Amazonas nicht eindeutig zu bestimmen ist.
Von Khartum flussabwärts wird der Strom als Bahr an-Nil bezeichnet. Von dort an fließt er als so genannter Fremdlingsfluss durch ausgedehnte Steppen und Wüstenlandschaften s-förmig weiter nach Norden, ohne noch nennenswerte Nebenflüsse aufzunehmen; dabei durchbricht er die Nubische Tafel. Somit erreicht er den Nassersee, der durch den von 1960 bis 1971 errichteten Assuan-Damm aufgestaut wird. Darin überquert der Nil die Grenze vom Sudan nach Ägypten, welches der Strom von Süd nach Nord durchfließt. In den Wüstengebieten Oberägyptens bildet der Nil dabei eine 5 bis 20 km breite Niederung, eine lebenswichtige Fluss-Oase, die landwirtschaftlich nutzbar ist. Durch den eben erwähnten und zum Zwecke der umfangreichen Bewässerung errichteten Staudamm, der die Schwebstoffe und Sedimente zurückhält, lässt mit der dauerhaften Nutzung der Felder deren Fruchtbarkeit nach; dies liegt auch daran, dass die Versalzung der Böden zunimmt, so dass mit Düngern nachgeholfen wird. Nördlich bzw. unterhalb des Assuan-Staudamms und etwa ab Qena trägt der Strom nur noch seinen eigentlichen Namen - Nil. Unterhalb von Kairo, fächert er sich zum etwa 24.000 km² großen Nildelta auf, nach dessen durchfließen er schließlich in das Mittelmeer mündet; der Assuan-Staudamm ist auch der Grund, warum dieses Flussdelta nicht mehr weiter ins Meer vorgeschoben, sondern durch die dort oftmals sehr starke Brandung abgetragen wird.
Der Blaue Nil (= al-Bahr al-Aschraq), der nicht mehr als Quellfluss, sondern als Haupt-Nebenfluss des Nils betrachtet wird, entspringt als Abbai, auch Abai genannt, in etwa 2.900 m Höhe im äthiopischen Hochland aus dem Tanasee. Er ist 1.350 km lang (also 30 km länger als der Rhein) und mündet bei Chartum und Omdurman in den Weißen Nil, der (u.a.) aus dem Süden des Sudans kommt.
Der blaue Nil verdankt seinen Namen seiner dunklen erdigen Farbe. Da er aus der gebirgigen Gegend Äthiopiens stammt, schwemmt er auf seinem Weg talwärts den fruchtbaren Boden weg und verfärbt sich dabei. Für die Wüstenlandschaft Ägyptens war früher nicht nur das Wasser des Nils, sondern auch der Nilschlamm - fruchtbarer Boden aus dem äthiopischen Hochland - überlebenswichtig. Seit dem Bau des Assuan-Staudamms lagert sich der fruchtbare Schlamm allerdings auf dem Boden des Stausees ab, statt in die ehemaligen Überschwemmungsgebiete zu gelangen.
Ein Vertrag zwischen Großbritannien und Ägypten aus dem Jahr 1929 (Kolonialzeit-Vertrag) und ein bilaterales Abkommen zwischen Ägypten und dem Sudan von 1959 über die wirtschaftliche Nutzung des Nils verbieten allen anderen Anrainern die Beeinflussung der Wassermenge des Nils. Ägypten verstieg sich 2004 sogar zu der Drohung, es werde jedes nicht mit ihm abgesprochene Nilwasserprojekt als Kriegserklärung werten. So besteht für Äthiopien derzeit die paradoxe Situation, dass aus dem Land zwar mehr als 80% des Nilwassers für Ägypten kommen, der eigentlich wasserreiche Staat selbst aber auf eine umfangreiche Nutzung des Nils zu Bewässerungszwecken verzichten muss. Äthiopien versucht auf diplomatischem Wege, seinen Wasserbedarf geltend zu machen und innerhalb der Mechanismen der 1998 gegründeten Nile Basin Initiative (NBI) kooperative Lösungen mit Ägypten zu erzielen. Derzeit nutzt Äthiopien nur ca 1% des Nilwassers. Aufgrund der Vertragslage ist es dem Land kaum möglich, Geldgeber für Staudamm- und Kraftwerksprojekte zu finden.
Weil der Weiße Nil - mit seinen sich daran anschließenden und oben genannten Quellflüssen - deutlich länger als der Blaue Nil ist und auch ein wesentlich größeres Einzugsgebiet als dieser aufweist, ist er der tatsächliche und seit langen unumstrittene Quellfluss des Nils. Allerdings galt der Blaue Nil früher auch als dessen Quellfluss, wohl auch weil zu seinem Namen die Bezeichnung Nil gehört; dies geschah, bis 1893, als man die Quelle des obig genannten Luvironza fand und sich in der Folgezeit daran machte, den sich daran anschließenden Flusslauf zu vermessen. So fand man heraus, dass der Weiße Nil mit seinen Quellflüssen der längere Fluss ist, so dass dieser der tatsächliche Quellfluss des Nils ist. Wohl der Tradition wegen wird oft auch noch der Viktoriasee (bzw. die darin liegenden und seit langer Zeit überfluteten Ripon Falls) als Quellsee genannt; dabei werden allerdings 1.083 km (fast die Länge der Elbe) von der Quelle des Luvironza bis zum Ausfluss des Nils aus diesem See unterschlagen. Fasst man die zuvor genannten Erkenntnisse über die Länge und Einzugsgebiet des Stroms zusammen, so ist der Luvironza-Ruvuvu-Ruvusu-Kagera-Weißer Nil-Nil der tatsächliche - gesamte - Flusslauf des Nils.
Im Oberlauf des Weißen Nils (mit all seinen ihn speisenden Flüssen) muss das Nil-Wasser zahlreiche kleinere und größere kaskadenartige Wasserfälle überwinden; dazu gehören:
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Rusumo Falls (Chutes Rusumu) auf der Grenze von Ruanda und Tansania
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Kuruma-Schnellen in Tansania - östlich vom Nordknie des Kagera-Nils
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Ripon Falls in Uganda - (vom Viktoriasee überflutet)
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Owen Falls in Uganda - (vom Viktoriasee überflutet)
• Kabelega Falls in Uganda
• Murchison Falls in Uganda
In Mittelauf des Nils, unterhalb der Einmündung des Blauen Nils in den Weißen Nil, muss(te) das Nil-Wasser zwischen Omdurman und Assuan insgesamt 6 Katarakte überwinden. Dies sind explizit bei Niedrigwasser schwer passierbare Stromschnellen, die nicht nur im alten Ägypten sehr gefürchtet waren, weil sie zwischen teils spitzen und nur schwer überschaubaren Felsklippen hindurchführen, so dass man sie mit großen Booten oder Schiffen nicht befahren kann; noch heute stellt dies eine Herausforderung dar, diese Katarakte mit Kleinbooten zu überwinden. Früher bildeten sie die Grenze zwischen den Königreichen.
Diese 6 natürlichen Granitbarrieren, sind Hunderte Millionen Jahre alte Zeugnisse von übereinander geschobenen Kontinentalplatten, die wesentlich härter sind, als das weiche Sedimentgestein, das der Nil selbst abgelagert hatte. Man nannte diese Barrieren schlicht und einfach Katarakte und gab ihnen eine zusätzliche Nummer; die Nummerierung erfolgt flussaufwärts: Der 1. Katarakt liegt bei Assuan, der heute allerdings - wie der zweite - von den Wassermassen des Nassersees überlagert ist. Der 3. Katarakt liegt nur etwas nördlich von Kerma, der vierte östlich von Merowe und der fünfte 50 km nördlich von Berber. Der oberste Katarakt liegt etwa 75 km nördlich von Omdurman.
Durch diese Katarakte fließt das Nil-Wasser aufgrund des schmaleren und tieferen Flußbettes und des stärkeren Gefälles zumeist reißend, insbesondere wenn weiter südlich die Regenzeit tobt und die Wassermassen nach Norden kommen. Bei Assuan wird die Nilschifffahrt durch das 1. Katarakt nach wie vor unterbrochen: Alles was per Schiff weiter nach Süden will, Material und Menschen, muss umgeladen werden bzw. umsteigen, um einen Umweg über Land zu nehmen und dann die Fahrt auf dem Assuan-Stausee weiter fortzusetzen - und umgekehrt.
Von Chartum, wo der Blaue Nil in den Weißen Nil fließt, bis zur Mündung hat der Nil rund 2.700 km zurückgelegt, diesbezüglich sind dies vom Viktoriasee 5.588 km und von seiner weit entferntesten Quelle in Burundi insgesamt 6.671 km. Geologischen Untersuchungen ergaben, dass sich erst vor ca. 1 Million Jahren der Viktoriasee durch Absenkung des dortigen Hochlandes gebildet hat. Nach dem Ende der letzten Eiszeit ist dieser See vor ca. 12000 Jahren erst übergelaufen und ließ den Viktoria-Nil, bzw den Weißen Nil entstehen.
Erst durch den Nil wurde das Leben und die Kultur an den Nilufern des Alten Ägyptens möglich. Ohne ihn wäre das Land eine einzige Wüste. Man sieht es daran, dass er im Westen von der Libyschen und im Osten von der Arabischen Wüste eingefasst wird, wo bis auf ein paar Oasen kein Wasser existiert und somit Landwirtschaft und Kultur unmöglich waren bzw. sind. Erst durch den fruchtbaren Schlamm, den der Nil bei seinen Hochwassern über das Land verteilt, konnten Nutzpflanzen angebaut und Landwirtschaft betrieben werden. Außerdem wurde der sehr tonhaltige Schlamm des Nils zum Häuserbau benutzt.
Während die vom Nil geführte Wassermenge, die fast ausschließlich von den Niederschlägen in den Ländern um den Viktoriasee abhing, ihren Tiefstand zumeist im April erreicht(e), stieg diese bis Ende August auf das etwa 50 bis 60fache an:
Einmal im Jahr überschwemmte der Nil das Land und bedeckte einen bis zu mehrere Kilometer breiten Streifen Land. Wenn das Wasser abfloss und verdunstete, hinterließ er fruchtbaren, dunklen Schlamm (so dies auch heute noch, wenn es den Assuan-Staudamm nicht gäbe), der dem Alten Ägypten seinen Namen gab (Kemet - "Das schwarze Land"). Um diese Anbaufläche für Getreide vollständig nutzen zu können, siedelten die Ägypter meist direkt entlang des Nils, aber auch etwas abseits des Flusses in der Wüste. Um für die Wüstensiedlungen und für Trockenzeiten Wasser speichern zu können, mussten sie Kanäle und künstliche Seen anlegen. Da der einzelne ägyptische Bauer diese nicht bauen konnte, schlossen sich die Bewohner eines Landstriches zusammen und bildeten Gaue, die von Gaufürsten verwaltet wurden.
Der Pegelstand des Nils zur Zeit der Überschwemmung schwankte stark. Er wurde an sog. Nilometern gemessen. Da bei niedrigem Stand manche Landstriche nicht überschwemmt wurden und die dort lebenden Bauern hungerten, wurden die Steuern nach dem Stand des Nils festgesetzt. Stieg der Nil aber zu hoch, drohte das Brechen von Dämmen und die Zerstörungen der Häuser. Dadurch wurden schon früh Geometer benötigt, die das Land neu ausmaßen und die Feldergrenzen neu festlegten.
Der Nil war der Haupthandelsweg Ägyptens. Über den Fluss wurde z.B. Holz transportiert, das in Ägypten fast überhaupt nicht vorkommt. Es wurde aus Syrien und Palästina importiert. Außerdem wurden Steinblöcke für den Bau von Pyramiden auf Schiffen transportiert. Der Schiffverkehr war auf den Tag begrenzt, da man in der Nacht Gefahr lief, auf Sandbänke zu laufen. Bei sehr niedrigem Wasserstand wurden die Schiffe über kurze Strecken über Land gezogen. Das Segel wurde erst 3350 v. Chr. eingeführt.
Bereits die alten Römer waren auf der Suche nach den Quellen des riesigen Stromes. Der portugiesische Jesuitenmissionar Pater Pedro Paez (1564-1622) entdeckte 1613 die Quelle des Blauen Nils. Der schottische Afrikaforscher James Bruce (1730-1794) entdeckte die Quelle am 4. November 1770 wieder und beanspruchte den Ruhm (vergeblich) für sich; er befuhr 1771 den Blauen Nil bis zur Vereinigung.
Für die Entdeckung der tatsächlichen Quelle des Nils am Luvironza haben viele Afrikaforscher meist vergeblich gesucht und Hypothesen aufgestellt. Bei einer Expedition, die von 1821-1822 dauerte, erreichte der Franzose Frédéric Cailliaud (1787-1869) die Mündung des Blauen- in den Weißen Nil. 1861 stellte die niederländische Afrikaforscherin Alexandrine Tinné in Kairo eine Expedition zusammen, musste diese aber aus logistischen Gründen nach einigen Monaten erfolglos abbrechen. 1866 machte sich der berühmte britische Forscher David Livingstone (1813-1873) auf Expeditionen zu den Quellen des Nil und des Kongo; er meinte sie im viel weiter südlich liegenden Bangweulusee gefunden zu haben, erreichte die wirkliche Quelle aber nie. 1857 gingen die Briten John Haning Speke und Richard Francis Burton gemeinsam auf Erkundung des Viktoriasees: John Speke sah in ihm die Quelle - Richard Burton jedoch im südlicherem Tanganjikasee; 1858 machte sich John Speke, nun in Begleitung mit James Augustus Grant, erneut auf Expedition und sie entdeckten 1862 die seit langem überfluteten Ripon Falls (die damals wohl noch freilagen) im Norden des Viktoriasees, welcher fälschlicher Weise oft als Nilquelle angesehen wird. Die Quelle des Kagera Nils am Luvironza, die der tatsächlichen Nil-Quelle entspricht, wurde 1893 von den Österreichern Oscar Baumann (1864-1899) und Oskar Lenz (1848-1925) gemeinsam entdeckt; erst 1898 wurde die geographische Lage dieser Quelle vom Deutschen Dr. Richard Kandt (1867-1918) genau bestimmt. Auch der Brite Samuel White Baker und der Italiener Romolo Gessi, die sich ebenfalls auf die Suche machten, haben erfolgreiche Expeditionen unternommen.
Der Nil besitzt eine artenreiche und einmalige Tierwelt. Viele erhielten nach dem Fluss auch ihren Namen, so etwa das Nilkrokodil, der Nilhecht, die Nilgans, die Nil-Grasratte, der Nilwaran und auch das Nil- oder Flusspferd, welches aber heute im Unterlauf nicht mehr vorkommt. Viele Tiere nutzten die Ägypter als Haustiere oder Vorbilder für Götter.
Die Millionenstädte Kairo, Giseh (beide Ägypten) und Chartum (Sudan) sind die größten Städte. Die alten Ägypter bauten ihre Städte oft an den fruchtbaren Ebenen des heiligen Flusses. Viele Katarakten und Stauanlagen wurden, u. a. für die Besiedlung, errichtet. Städte am Ufer mit über 100.000 Einwohnern:
• Ruanda
• Kigali
• Uganda
• Kampala (am Viktoriasee)
• Jinja
• Sudan
• Dschuba
• Chartum (al-Chartum)
• Omdurman (Umm Durman)
• Wad Medani - am Blauen Nil
• Ägypten
• Assuan (Aswan)
• Luxor (al-Uqsur)
• Qena (Qina)
• Sohag (Suhadsch)
• Asyut (Asyut)
• Minya (al-Minya)
• Beni Suef (Bani Suwaif)
• Fajum (al-Fayyum) - etwas westlich vom Nil
• Helwan (Hulwan)
• Orte im oder am Nildeltal:
• Kairo (al-Qahira)
• Giseh (al-Dschiza)
• Heliopolis (Misr al-Dschadida)
• Imbaba (Imbaba)
• Banha (Banha)
• Shibin al-Qaum
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Ismailia (al-Ismailiyya, am Sueskanal, über Seitenkanal mit Nildelta verbunden)
• Zagazig (az-Zaqaziq)
• Tanta (Tanta)
• al-Mahallat al-Kubra (al-Mahallat al-Kubra)
• Mansura (al-Mansura)
• Damanhur (Damanhur)
• Kafr asch-Schaich
• Alexandria (al-Iskandariyya)
• Port Said (Bur Said)
• Damietta (Dumyat)
Nebenflüsse
• Rechte Nebenflüsse:
• Sobat
• Blauer Nil (al-Bahr al-Aschraq; s.o.)
• Atbara
• Linke Nebenflüsse:
• Bahr al-Ghazal
• Wadi al-Malik (oft ausgetrocknet)
Weiterführende Links:
Sahara
Pyramiden
Assuan
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