Bulgarien

Alle Fakten zu dem Land Bulgarien

Bulgarien liegt im östlichen Teil der Balkanhalbinsel und am Rande Europas. Im Norden folgt die Landesgrenze zu Rumänien dem Verlauf der Donau und im Osten wird Bulgarien vom Schwarzem Meer begrenzt. Die südlichen Nachbarländer sind die Türkei und Griechenland, im Westen dagegen wird das Land von Serbien und Montenegro umringt.

Internationales Kennzeichen:

BG

Geographische Lage:

zwischen 41° 41´ und 44° 13´ nördlicher Breite sowie 22° 22´ und 28° 37´ östlicher Länge

Landesfläche:

110.912 km²
35% Wald
37% Ackerland
18% Wiesen und Weiden

Ausdehnung:

W - O 500 km
N - S 330 km

Küsten:

354 km

Hauptstadt:

Sofia

Größten Städte:

Sofia (ca. 1.116.800 Einwohner)
Plovdiv (ca. 344.300 Einwohner)
Varna (ca. 301.400 Einwohner)
Burgas (ca. 199.470 Einwohner)
Ruse (ca. 168.000 Einwohner)

Gliederung:

28 Provinzen: Blagoevgrad, Burgas, Dobrich, Gabrovo, Khaskovo, Kurdzhali, Kyustendil, Lovech, Montana, Pazardzhik, Pernik, Pleven, Plovdiv, Razgrad, Ruse, Shumen, Silistra, Sliven, Smolyan, Sofiya, Sofiya-Grad, Stara Zagora, Turgovishte, Varna, Veliko Turnovo, Vidin, Vratsa, Yambol

Geographisch Merkmale:

höchster Berg: Musala 2925 m
längster Fluss: Donau (Teil) 2850 km

Beste Reisezeit:

Juni bis Oktober
Wintersport: Dezember bis April

Ortszeit/Zeitzonen:

MEZ + 1 (UTC + 2)
März bis Oktober: MEZ + 2 (UTC +3)
Aktuelle Uhrzeiten finden Sie hier unter www.zeit-online.de

Fremdenverkehrsamt:

Bulgarisches Fremdenverkehrsamt, Frankfurt/M.
Eckenheimer Landstraße 101
60318 Frankfurt/M.
Tel: (0 69) 29 52 84/85
Fax: (0 69) 29 52 86
Homepage: www.travel-bulgaria.com

The National Information and Advertising Center, Sofia
1 Sweta Sofia Street
1040 Sofia/Bulgarien
Tel: (00359 2) 987 97 78, 987 11 52
Fax: (00359 2) 987 97 78, 989 69 39
Email: info@bulgariatravel.org
Homepage: www.bulgariatravel.org

Landessprache:

Amtssprache ist Bulgarisch. In Urlaubsorten wird auch Deutsch, Englisch, Französisch oder Russisch gesprochen. Im Land gibt es Minderheiten die türkisch und mazedonisch sprechen.

Währung:

1 Lew = 100 Stotinki
Aktueller Kurs: www.wechselkurse.de

Währungskürzel:

Lw, BGN (ISO-Code)
Banknoten gibt es im Wert von 50, 10, 5, 2 und 1 Lw
Münzen in den Nennbeträgen 50, 20, 10, 5, 2 und 1 Stotinki. Der Lew ist an den Euro gebunden.

Kreditkarten:

Diners Club, American Express, Carte Blanche, Eurocard und Visa werden in größeren Hotels, Mietwagenbüros, Restaurants und Geschäften meistens akzeptiert. Einzelheiten vom Aussteller der betreffenden Kreditkarte.

Reiseschecks:

Werden in größeren Hotels und Restaurants akzeptiert.

Bevölkerung:

8.280.000 Einwohner

Bevölkerungsdichte:

74.6 Menschen je km²

Post/Telegramm/Internet:

Post: Luftpost benötigt zwischen 4 Tagen und 2 Wochen
Telegramm: Können vom Hauptpostamt in der Ul. General Gurko gesendet werden
Internet/E-Mail: Anbieter: GeoEnterprise (http://geobiz.com) und bol.bg (www.bol.bg)
In Sofia und Plovdiv gibt es Internetcafés.
Mobiltelefon: GSM 900/1800, Dualbandnetz. Netzbetreiber: Cosmo Bulgaria Mobile EAD, GloBul und MobilTEL AD. Roaming-Abkommen bestehen.
Der Sende-/Empfangsbereich für Mobilfunk beschränkt sich auf städtische Gebiete.

Strom:

220 V, 50 Hz

Vorwahlen:

Nach Deutschland: 0049
Von Deutschland: 00359

Öffnungszeiten:

Banken: Mo bis Fr 9-12, 15-17 Uhr;
Büros: Mo bis Fr 8.30/9-17.30/18 Uhr
Geschäfte: Mo bis Fr 10-20 Uhr, teilweise auch Sa 8-14 Uhr;
Post: Mo bis Sa 8.30-17.30 Uhr,

Staatsform:

Parlamentarische Republik

Staatsführung:

Präsident

Staatsreligion:

keine

Impfbestimmungen:

Zu den aktuellen Impfvorschriften und Impfempfehlung dieses Landes >> hier

Visa:

Visumfrei bis zu 90 Tagen Aufenthalt pro Halbjahr. Notwendig sind: ein mind. 6 Monate über den Aufenthalt hinaus gültiger Reisepass, Rück- oder Weiterreisetickets, ausreichende Geldmittel für den Aufenthalt, sowie eine in Bulgarien gültige Krankenversicherung.

Botschaften/Konsulate:

Botschaft der Republik Bulgarien
mit Konsularabteilung, Berlin
Zuständigkeiten: Bundesrepublik Deutschland
Mauerstraße 11
10117 Berlin
Sprechzeit: Botschaft Mo bis Fr 8.30-17 Uhr, Konsularabt. Mo, Di, Do, Fr 9-11 Uhr (telefon. Visa-Anfragen nur Mo, Di, Do, Fr 14-16.30 Uhr)
Tel: (0 30) 201 09 22
Tel. Konsularabt.: (0 30) 20 64 89 35/36
Fax: (0 30) 208 68 38
Fax Konsularabt.: (0 30) 208 61 24
Email: info@botschaft-bulgarien.de
Homepage: www.botschaft-bulgarien.de

Embassy of the Federal Republic of Germany, Sofia
Ulica Frederic-Joliot-Curie 25
1113 Sofia
Tel: (00359 2) 91 83 80
Tel. Visastelle: (00359 2) 963 41 01
Fax: (00359 2) 963 16 58
Fax Visastelle: (00359 2) 963 41 17
Email: gemb@vilmat.com
Homepage: www.german-embassy.bg

Bulgarien ist eine Republik in Südosteuropa. Es grenzt an Rumänien, Serbien, Mazedonien, Griechenland und die Türkei und liegt am Schwarzen Meer.

Geographie

Bulgarien wird durch den Balkan in die nördlich gelegene Donauebene und die Oberthrakische Tiefebene im Süden geteilt. Im Südwesten erheben sich die Rhodopen mit Pirin und Rila-Gebirge. In letzterem befindet sich mit dem Musala (2.925 m) die höchste Erhebung Bulgariens und der Balkan-Halbinsel.

Im Osten grenzt Bulgarien an das Schwarze Meer. Die wichtigsten Flüsse sind Donau (Grenze zu Rumänien), Mariza, Mesta, Struma, Iskar und Jantra.

Bulgarien ist geprägt von gemäßigtem Kontinentalklima mit Schwarzmeereinfluss im Osten und mediterranen Einflüssen im Süden. Die mittleren Temperaturen betragen -2° bis 2° im Januar (um -10° im Gebirge) und 19° bis 25° im Juli (um 10° im Gebirge). Im Jahresschnitt fällt 450-600 mm Niederschlag (bis 1.300 mm im Gebirge).

Bevölkerung

85,7 % der Bevölkerung gehören der bulgarisch-orthodoxen Kirche an, 13,1 % sind Muslime. In ethnischer Hinsicht sind 83,5 % der Bevölkerung Bulgaren, 9,5 % Türken, 4,6 % Roma. 1,5 Prozent der Einwohner Bulgariens setzen sich aus Russen, Armeniern, Walachen und Griechen zusammen. Der Urbanisierungsgrad beträgt 67 %. (Sämtliche Daten von der Volkszählung 2001.)

Geschichte

Bulgarien war zuerst von den indogermanischen Thrakern und Makedoniern bewohnt. Nach der Eroberung 29 v. Chr. durch die Römer begann die Romanisierung der Bewohner. Auf dem Gebiet des heutigen Bulgarien wurden als Teile des römischen Reichs die Provinzen Macedonia, Thracia, Moesia und Dacia etabliert. Seit dem 6. Jahrhundert drangen Slawen ein, 679 zusätzlich die turkstämmigen Protobulgaren unter Asparuch, die das Erste Großbulgarische Reich mit Hauptstadt in Pliska (679/681 bis 802) und Preslav (802 bis 1018) gründeten, das fast die ganze Balkanhalbinsel umfasste.

Nach dem Eindringen der Protobulgaren wurde ein mehrjähriger Krieg ausgelöst. Bemerkenswert ist, dass dieser damit endete, dass die sezessive Staatsgründung in einem völkerrechtlichen Vertrag neuerer Prägung anerkannt wurde. Dies war für die damalige Praxis des Völkerrechts (ius gentium) ein einmaliger Vorgang. Dieser vom oströmischen Kaiser Konstantin IV. Pogonatos 681 geschlossene Vertrag regelte befriedete Staatsgrenzen, ein Flottenmoratorium und eine gewisse Tributpflichtigkeit Konstantinopels. Aus der Verschmelzung der rund 10.000 Einwanderer mit der örtlichen Bevölkerung entstand das Volk der Bulgaren, nach einer Übergangszeit der Völkertrennung, die darin bestand, dass die protobulgarische Oberschicht die Staatsmacht militärisch nach Innen und Außen sicherte.

Zar Boris I. von Bulgarien bezweckte als Staatsreligion das Christentum für seinen Mehrvölkerstaat nutzbar zu machen und neben einer Stärkung der zentralistischen Staatsgewalt nach römischem Vorbild auch eine Homogenisierung der Völker zu erleichtern. In der Folge gingen die Protobulgaren in der slawischen Bevölkerungsmasse auf. Nach simultanen Verhandlungen mit Rom und Konstantinopel trat er 864 zum byzantinischen Christentum über, weshalb die Mehrzahl der Bulgaren bis heute dem orthodoxen Glauben angehört. Auch die bulgarische Kultur ist stark von der byzantinischen geprägt.

Boris´ Sohn Simeon I. (893-927), der bedeutendste Herrscher Bulgariens, besiegte die Serben, errichtete das bulgarische Patriarchat und förderte die altbulgarische Literatur. Auf sein Betreiben hin wurde das kyrillische Alphabet entwickelt, um Bibelübersetzungen in die slawischen Sprachen und ausgedehnte christliche Missionierungskampagnen bis tief in das Gebiet des heutigen Russland zu ermöglichen. Aus diesem Grund gilt Bulgarien als prägender Ursprung der sprachlichen und politischen Kultur vieler slawischer Völker bis in die Neuzeit sowie der Orthodoxie.

Bulgarien war lange Zeit ein mächtiges Zarentum, das sich militärisch mit dem Byzantinischen Reich messen konnte. In seiner wechselhaften Ausdehnung umfasste es die Gebiete des heutigen Griechenlands, Mazedonien, Serbien, Bosnien, Rumänien und kleine Teile der Ukraine. Bis zur osmanischen Eroberung erfolgte keine Assimilation der unterworfenen Völker, so dass sie unverändert ihre ethnische und kulturelle Identität pflegen konnten. Die bei der ersten Reichsgründung erwähnte Tributpflicht wechselte in den zahlreichen Kriegen mit Byzanz die Seiten zugunsten des Siegers genauso traditionell wie die Gebiete des heutigen Griechenlands. Diese kulminierten u.a. darin, dass nach einer Niederlage der byzantinische Kaiser die gesamte bulgarische Armee bis auf jeden Centurio blenden ließ, um eine dauerhafte Unterwerfung zu ermöglichen. Ab 972 und 1018 kam Bulgarien unter die Herrschaft von Byzanz.

Die Brüder Johann und Peter Assen errichteten das 2. Großbulgarische Reich mit Hauptstadt in Weliko Tarnowo, welches von 1186 bis 1393 bestand. Mit dem Niedergang von Byzanz während der türkischen Eroberungen wurde auch Bulgarien ein Teil des erstarkenden türkischen Reichs der Osmanen. 1393 bzw. 1398 kam ganz Bulgarien unter türkische Herrschaft, die fast 500 Jahre andauerte. In dieser Zeit hielten die Bulgaren der Islamisierung im Wesentlichen stand. Um 1800 erhob sich der geistig-nationale Widerstand, mit der Forderung nach Unabhängigkeit. In Bulgarien kam es zu einer Ära der nationalen Wiedergeburt. Ähnlich wie in Westeuropa knüpfte sie an antike und frühere byzantinische Traditionen. Die blutige Niederschlagung eines Aufstands durch die Türken 1876, der an einem Genozid grenzte und Empörung in ganz Europa auslöste, führte zum russisch-türkischen Krieg 1877-78. Dieser wurde mit ungeahnter Härte und massiven Verlusten auf beiden Seiten geführt. Nach einer Hannibal-ähnlichen Überquerung der Donau und des Balkans mitten im Winter siegten die russischen Truppen und rückten bis kurz vor I?stanbul vor, wo der Waffenstillstand von San Stefano geschlossen wurde.
Der Berliner Kongress errichtete ein Fürstentum Bulgarien als konstitutionelle Monarchie, das aber dem Sultan tributpflichtig blieb. Fürst Alexander von Battenberg (1879-86) versuchte innere Reformen und besiegte die Serben, wurde aber durch eine von den Russen veranlasste Verschwörung gestürzt. 1887 wurde Ferdinand von Coburg-Gotha bulgarischer Fürst, der 1908 die völlige Loslösung von der Türkei erklärte und den Titel als Zar annahm.

Die glänzenden Erfolge der bulgarischen Truppen im 1. Balkankrieg (Eroberung von Adrianopel) wiederholten sich im 2. Balkankrieg nicht. Während die bulgarische Streitmacht an der griechischen und serbischen Front gebunden war, drangen die Rumänen bis nach Sofia vor, die Türken eroberten Adrianopel wieder zurück.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg kämpfte Bulgarien auf der Seite der Mittel- bzw. Achsenmächte. Dies war durch die engen Bindungen der Monarchie zu Deutschland zu erklären. Das Königshaus und die Bevölkerung widersetzten sich zum Teil erfolgreich der Verfolgung und der Deportation der bulgarischen Juden (Holocaust) durch die Nazis und weigerten sich Truppen gegen die Russen an die Ostfront zu entsenden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Bulgarien unter sowjetischen Einfluss und wurde Teil des Warschauer Paktes. 1946 wurde es zur Republik.

Das Ende der kommunistischen Ära wurde 1990 durch freie Wahlen eingeleitet. Seitdem wurden politische und wirtschaftliche Reformen voran getrieben, ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union wurde unterzeichnet und weit gehend implementiert. Die Betrittsverhandlungen wurden 2004 erfolgreich abgeschlossen. Als weiterer Schritt billigte am 13.4.2005 das Europaparlament endgültig den Beintritt zur Europäischen Union mit 522 von 660 Stimmen und am 25.4.2005 wurde der Beitrittsvertrag in Luxemburg unterzeichnet. Danach wird Bulgarien planmäßig am 1.1.2007 Mitglied der EU.

Politik

Die Parlamentswahlen am 17. Juni 2001 gewann überraschend mit 42,7 % der Stimmen die erst kurz zuvor gegründete "Nationale Bewegung Simeon der Zweite" NDSV um den ehemaligen König Simeon von Sachsen-Coburg-Gotha (Simeon Sakskoburggotski). Wesentlichen Anteil an dem Erfolg hatte das Versprechen, innerhalb von 800 Tagen eine deutliche Verbesserung des Lebensstandards in dem verarmten Balkanland herbeizuführen. Dazu sah er eine Erhöhung des Lohnniveaus und Steuersenkungen vor. Außerdem spielte die Hoffnung eine Rolle, der ehemalige Zar Simeon II. könnte durch seine verwandtschaftlichen Beziehungen in ganz Europa dazu beitragen, ausländische Investoren nach Bulgarien zu holen. Im Zuge der NATO-Osterweiterung wurde Bulgarien Mitglied der NATO.

Bezirke

Bulgarien ist ein Zentralstaat, welcher in 28 Verwaltungsbezirke gegliedert ist.

Infrastruktur

Bulgarien ist ein wichtiges Transitland zwischen Mitteleuropa und dem Nahen Osten. Das Land besitzt ein dichtes Eisenbahn- und Straßennetz. Flughäfen befinden sich in Sofia, Plowdiw, Warna und Burgas, Seehäfen in den letztgenannten beiden Städten.

Wirtschaft

Der folgende Abschnitt ist eigentlich zu lang. Kann ihn jemand zusammenfassen und den Rest in den Hauptartikel verschieben?

Bulgarien gehört zu den Ländern, die als Agrarstaat in den RGW ("COMECON") eingetreten sind und die ihre Industrialisierung diesem im Wesentlichen zu verdanken haben. Das bedeutete die Steigerung der energie- und rohstoffintensiven Schwerindustrie, von denen einige Bereiche (Pharmazeutika, Maschinenbau, Elektronik) durchaus erfolgreich in den ehemaligen Märkten agierten.

Nach dem Wegfall des Marktes der Sowjetunion, zu dem am meisten Beziehungen bestanden, geriet die Wirtschaft in eine schwere Krise, aus der sie sich bis heute nicht erholt hat. In den Jahren 1989 bis 1995 gingen die Realeinkommen um fast 70 Prozent zurück, der Lebensstandard fiel um 40 %.

Das Sozialsystem, insbesondere das System der Kranken- und Rentenversicherungen, brach weitgehend zusammen. Die sozialistische Regierung unter Schan Videnov schaffte hier keine Abhilfe, sondern bediente eher die Interessen der ehemaligen Nomenklatura: Die ehemaligen Direktoren der staatseigenen Betriebe wurden schnell zu Millionären.

Im Frühling 1996 kam es infolge der hohen Staatsverschuldung zu einer schweren Wirtschaftskrise. Banken brachen praktisch über Nacht zusammen, der Staat geriet in Zahlungsschwierigkeiten gegenüber seinen ausländischen Kreditgebern. In der Hoffnung auf Unterstützung von Weltbank und IWF verabschiedete die sozialistische Regierung ein Strukturprogramm.

134 marode Staatsbetriebe sollten geschlossen werden, durch Steuervergünstigungen versuchte man - vor allem ausländische - Investoren anzulocken. Doch die Privatisierung ging dem IWF zu langsam und er forderte als Bedingung für weitere Kredite die Einführung eines currency boards (Währungsrates) mit der Bindung des bulgarischen Lew an die D-Mark im Verhältnis 1:1.

Mit Wirkung vom 7. Juli 1997 wurden diese Bedingungen von der neuen konservativen Regierung erfüllt. So konnte das Land die notwendigen Kredite bekommen und ein Budget für das kommende Jahr verabschieden, hatte aber die Hoheit über die Staatsfinanzen an die internationalen Finanzinstitutionen abgegeben.

Denn die Einführung des currency boards bedeutet, dass die Regierung kein Budget ohne die Einwilligung des IWF verabschieden darf. Durch diese Maßnahmen konnte Bulgarien im internationalen Vergleich seine Wirtschaftsdaten bis 2000 verbessern.

Das Haushaltsdefizit konnte auf 1 % des BIP reduziert werden, das Bruttoinlandsprodukt stieg um 5 %, die Inflationsrate hielt sich bei etwa 11 % und die Arbeitslosigkeit stagnierte auf 18 %.

Doch die Annäherung an den Weltmarkt wird bis jetzt nicht durch eine Ankurbelung der Wirtschaft, sondern durch eiserne Sparmaßnahmen erreicht. Für die nationale Wirtschaft und für die Bevölkerung haben Einsparungen und Verteuerungen in erster Linie negative Folgen.

Die ausländischen Investoren sind bis jetzt ausgeblieben, ein eigener unternehmerischer Mittelstand hat sich - nicht zuletzt aufgrund der hohen Zinspolitik - bis jetzt kaum entwickelt. Seit 1997 hat Bulgarien eine negative Handelsbilanz.

Von der Bevölkerung kämpfen etwa 80 % ums tägliche Überleben. Ein Durchschnittslohn reicht kaum für die Ernährung, die Haushaltseinkommen sinken bei steigenden Preisen für so essentielle Dinge wie Heizung, Wasser und Müllabfuhr. Die vom IWF geforderte Erhöhung der Energiepreise führte dazu, dass sich viele Haushalte von der Energieversorgung abmeldeten.

1999 waren 45 % der Bevölkerung auf selbst hergestellte Nahrungsmittel angewiesen. Die Bewegung vom Land in die Kleinstadt und von dort in die Großstadt kehrt sich deshalb heute um. Die Krise der Wirtschaft zwingt zu einer neuen Subsistenzwirtschaft, oft mit einfachsten Geräten wie Sichel und Pflug, da nur wenige Dorfgemeinschaften genug Geld haben, um kollektiv einen Traktor anzuschaffen.

Der IWF sieht diese Situation als notwendige Übergangsphase und glaubt, dass Investitionen in das - aufgrund von Arbeitslosigkeit und Schattenwirtschaft - chronisch unterfinanzierte Sozialsystem die Überwindung der Krise unmöglich machen würden. Er setzte Mindestlöhne fest, die unter dem Existenzminimum liegen und verbietet Investitionen ins Verwaltungssystem. Im öffentlichen Dienst wurden ein Achtel der Stellen gestrichen.

Die Einschränkungen des Handlungsspielraums der Politiker durch den IWF steht im Widerspruch zu den Erwartungen der EU, die von ihren Beitrittsländern erwartet, dass sie eigenverantwortlich rechtsstaatliche und marktwirtschaftliche Systeme aufbauen. Sollten die Stabilisierungsmaßnahmen nicht bald greifen, fürchten Experten eine wirtschaftliche Abwärtsspirale mit ähnlichen Folgen wie in Argentinien.

Ein solcher wirtschaftlicher Zusammenbruch wäre eine Gefahr für die Stabilität der gesamten Balkan-Region. Selbst der IWF, der zugeben musste, dass der Lew trotz der Fixierung an den Euro zwischen 22,1 und 28,7 % seines Wertes eingebüßt hat, denkt bereits über Ausstiegsstrategien aus dem currency board nach

Er schlägt - analog zur Einführung des Dollar in manchen lateinamerikanischen Ländern - eine Euro-Einführung noch vor dem EU-Beitritt vor. Dies wird allerdings von der Europäischen Zentralbank abgelehnt, die um die Stabilität des Euro fürchtet. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz plädierte für einen vorgezogenen EU-Beitritt Bulgariens.

Kultur

Bulgarien verfügt über eine große Tradition des Chorgesangs. Der staatliche Chor wurde durch einen eigenen Stil sehr erfolgreich, zahllose bulgarische Frauenchöre wie z.B. Angelite sind heute international bekannt.

Bekannte bulgarische Sänger sind u.a. Ari Leschnikow, der von 1928 bis zur Auflösung in den 30er Jahren den Comedian Harmonists als Tenor angehörte und der Opernsänger Boris Christow, der als einer der weltbesten Bassisten galt.

Bulgarien ist schon seit dem 13. und 14. Jahrhundert bekannt für seine Ikonenmalerei. Die Vertreter der Malschule von Weliko Tarnowo überschritten die überlieferten Regeln der traditionellen Ikonenmalerei und schufen damit die bedeutendste eigenständige Schule der ostkirchlichen Kunst.

Mit der bulgarischen Wiedergeburt nach dem Ende der türkischen Besatzung entstanden überall im Land neue Kunstschulen. Die bekannteste ist die Kunstschule von Samokow. Aus ihr gingen viele der Maler hervor, die die Bemalung der Kirche im Kloster Rila ausführten, unter ihnen Sacharij Sograph.

Bekannte Künstler der neueren Zeit sind Jules Pascin der 1885 in Vidin geboren wurde. Eigentlich hieß er Julius Pinkas. Da er lange Zeit in Frankreich verbrachte, wo er auch 1930 starb, wird er als bulgarisch-französischer Maler und Grafiker bezeichnet.

Bekanntester lebender bulgarischer Künstler ist wohl Christo Jawaschew, der unter seinem Vornamen und zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude bekannt wurde. Er "verpackte" u.a. den Reichstag in Berlin und Pont Neuf in Paris in Plastikfolie.
Ein beliebter Brauch ist das Verschenken eines Marteniza, kleinen rot-weißen Stoffanhängern oder Armbändern, zum Frühlingsanfang am 1. März. Die Armbänder sollen, damit sie Glück bringen, getragen werden, bis man den ersten Storch sieht.

Sport

Ebenso wie in der Türkei gibt es eine große Tradition im Kraftsport (Ringen, Gewichtheben). Die Wurzeln liegen in der Folklore, wo der "starke Mann" ein hohes Ansehen hat, aber auch im griechischen Erbe, das über Byzanz nach Bulgarien kam. In den 1980ern wurde die türkische Minderheit diskrimininert, und türkische Namen wurden slawisiert, da die damalige, kommunistische Regierung für die Außenwirkung keine Sportler mit türkischen Namen duldete.

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