Der Berg Nemrut (türk. Nemrut Dagi) im Südosten der Türkei gehört zum Taurusgebirge und liegt 86 km nordöstlich von Adiyaman in der gleichnamigen Provinz. Er ist mit seinen 2150 m Höhe eine der höchsten Erhebungen des nördlichen Mesopotamiens.
Auf seinem Gipfel erhebt sich die monumentale Kombination aus Heiligtum und Grabstätte dreier Könige von Kommagene. Errichtet wurde sie von König Antiochos I. Theos (69 - 36 v. Chr.) von Kommagene und dessen Vater Mithradates I. Kallinikos (109 - 69 v. Chr.) als Zeichen seines Vertrages mit den Göttern. Das Heiligtum sollte Zentrum einer neuen, von ihm gestifteten Religion sein, die persische und griechische Mythologie vereinte. Antiochos selbst gab sich kurz nach seiner Krönung den Namenszusatz Theos (Gott).
Lange von den Menschen vergessen, wurde die Kultstätte erst 1881 vom deutschen Ingenieur Karl Sester wiederentdeckt. Seitdem führen türkische, amerikanische und deutsche Archäologen hier Ausgrabungen durch. Besonders erwähnenswert sind vor allem jene, die durch die American School of Oriental Researches unter Leitung von Theresa Goell im Jahre 1953 durchgeführt wurden.
1987 wurde das Grabheiligtum als Weltkulturerbe in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen. Das Grabmal besteht aus einer Geröllaufschüttung mit einem Durchmesser von 150 m und einer Höhe von 50 m. Der Hügel ist umgeben von drei Terrassen, jeweils einer im Norden, Westen und Osten. Auf der westlichen und östlichen Terrasse sind gigantische Götterstatuen und Reliefstelen zu sehen, die König Antiochos in Gesellschaft mehrerer Götter darstellen. Um Platz für die Errichtung des Heiligtums zu schaffen, wurden rund 200.000 m³ massiver Fels abgetragen. Links der westlichen Terrasse ist noch ein 10 m hoher Rest des ehemaligen Gipfels zu sehen.
Im Laufe der Zeit haben Erdbeben, Unwetter und der Mensch selbst dafür gesorgt, dass die einstmals 8-10 m hohen Statuen heute kopflos stehen und ihre Häupter durcheinander gewürfelt zu Boden liegen. Die Geheimnisse der eigentlichen Grabstätte sind ungeachtet vieler Versuche, in das Innere vorzudringen, bis heute nicht gelüftet worden.
Noch heute bieten die Altäre und riesigen Statuen besonders im Licht von Sonnenauf- und -untergang ein beeindruckendes Bild.
Die Terrasse auf der Nordseite des Gipfels war Sammlungsort der ankommenden Pilger, die von hier über verschiedene Wege für Adel und gemeines Volk zur West- bzw. Ostterrasse weitergingen.
Die fünf 9 m hohen, sitzenden und enthaupteten Statuen auf der Westterrasse, dem heiligsten Teil des Berges, stellen Antiochos I. Theos inmitten der Gottheiten Tyche, Zeus-Oromasdes, Apollon-Mithras-Helios-Hermes und Herakles-Artagnes-Ares dar.
Die Statuen dieser ehemals mit weißen Steinen gepflasterten Terrasse sind denen der Westterrasse sehr ähnlich. Vor ihnen befindet sich ein großer Feueraltar, dessen Fundament noch gut sichtbar ist.
Auf sowohl der West- als auch der Ostterrasse ist das so genannte Löwenhoroskop zu sehen. Dabei handelt es sich um ein 2 x 2,5 m großes Relief, das eines der ältesten bekannten Horoskop der Welt zeigt. Es stellt die Sternenkonstellation dar, wie sie beim Blick Richtung Westen am Tag der Krönung von Mithradates, am 14. Juli 109 v. Chr. um 19:35 Uhr, zu sehen war.
Weiterführende Links:
Bosporus
Canakkale
Lykischer Weg